Vielleicht doch lieber was mit Holz oder so?

June 29th, 2014 by fraggy
I made this!

I made this!

Es begab sich Anfang Februar, dass ich geblendet von vermeintlich günstigen Preisen im Ausverkauf einer insolventen Baumarktkette ein paar Einbaulampen, Schalter und Buchenleimholzbretter kaufte. Der Hintergedanke war “irgendwas für über’m Bett” zu bauen. Sind ja nur ein paar Löcher zu bohren und eine handvoll Schrauben reinzujagen. Oh wie naiv ich war.

Die zugeschnittenen Bretter mit Löchern für Schalter und Lampen. Ja, ich habe auch nach 2 Jahren immer noch keinen richtigen Fußboden verlegt.

Die zugeschnittenen Bretter mit Löchern für Schalter und Lampen. Ja, ich habe auch nach 2 Jahren immer noch keinen richtigen Fußboden verlegt.

Das erste Problem war die Bretter auf die richtige Länge zu kürzen. Ich höre schon die ersten sagen “Das kann man doch im Baumarkt machen lassen”. Das wäre Prinzip richtig, wenn die zu dem Zeitpunkt einzige in Lübeck verbleibende Baumarktkette sich nicht weigern würde mitgebrachte Bretter zuzuschneiden. Aber was will man auch von einem Konzern erwarten, der ein Unwort des Jahres geschöpft hat (2009). Glücklicherweise wurde das Lübecker Baumarktmachtvakuum inzwischen gefüllt.
Also kürzte ich die Bretter selbst auf die richtige Länge. Mit einer Tauchsäge. Bei meinen Eltern. Fünfhundert Kilometer von Lübeck entfernt. Nein, ich möchte nicht wissen, ob das ökologisch sinnvoll war. An dieser Stelle möchte ich auch darauf hinweisen, dass Elektrowerkzeuge verdammt laut sein können und man immer einen Gehörschutz tragen sollte.

Nachdem sich – völlig überraschend – herausgestellt hat, dass man mit einer Tauchsäge ohne Führungsschiene keine 185cm schnurgerade sägen kann, blieb mir der Gang in einen der neueröffneten Lübecker Baumärkte nicht erspart. Dort kaufte ich mir ein weiteres 200x20x2cm Buchenleimholzbrett und ließ es auf 185×10 zuschneiden. (nur zur zeitlichen Einordnung: es ist Mitte März)

Die Schraubenlöcher habe ich mit einem Kegel für den Senkkopf gebohrt

Die Schraubenlöcher habe ich mit einem Kegel für den Senkkopf gebohrt

Als nächstes waren die Löcher für die Lampen, Schalter und Schrauben zu bohren. Da die Löcher für die Schrauben möglichst senkrecht zur Oberfläche sein sollten und das Freihandbohren mit einer Bohrkrone von 105mm Durchmesser nicht ganz ungefährlich ist (Es besteht die Gefahr sich das Handgelenk zu verletzen, sollte sich die Bohrkrone verkanten und die Bohrmaschine zurückschlagen), legten die Bretter ein weiteres Mal rund 1000 Kilometer zurück und wurden in der elterlichen Garage durchlöchert. (wir haben nun Mitte April)

Wieder zurück in Lübeck habe ich die Bretter mit einem Schleifklotz von Hand glatt gemacht. Danach hatte alles in meinem Keller eine Staubschicht und ich habe gefühlt ein halbes Kilogramm Buchenstaub aus meiner Nase geholt. Auch an dieser Stelle wieder ein wichtiger Arbeitssicherheitshinweis: tragt Atemschutz! Schleifstaub ist Feinstaub, lungengängig und möglicherweise krebserregend.

Als nächstes bohrte und fräste ich die Aussparungen für die Beschläge. Da ich keinen blassen Schimmer habe was ich tue (ja, Präsens), verwendete ich für das Fräsen der Versenkung für die Beschläge das völlig falsche Werkzeug. Erst beim Fräsen des länglichen Loches in das später der Schraubenkopf geschoben wird nahm ich dann das richtige, oder zumindest mal richtigere Werkzeug.

Angezeichnete Beschläge

Angezeichnete Beschläge

Und los!

Und los!

Löcher für Beschläge

Löcher für Beschläge

 

 

 

 

 

 

 

Wie man sich beim Betrachten der beiden Werkzeuge denken könnte, geht es mit einem der beiden recht flott, mit dem anderen… nicht so.

Mit dem Oberen ließ sich das Holz flott abtragen. Mit dem Unteren nicht unbedingt. Wie man sieht, ist es auch heiß geworden.

Mit dem Oberen ließ sich das Holz flott abtragen. Mit dem Unteren nicht unbedingt. Die Verfärbung des unteren Werkzeuges zeigt auch, dass es zu heiß geworden ist.

Um den Aufsatz, der das Fräsen mit konstanter Tiefe erlaubt, sinnvoll nutzen zu können, stellte ich meine beiden Seitenwände Oberkante an Oberkante aneinander und fixierte sie mit Schraubzwingen.

Der Aufsatz, der für senkrechtes Fräsen sorgen soll, kippt an der Kante herunter...

Der Aufsatz, der für senkrechtes Fräsen sorgen soll, kippt an der Kante herunter…

... darum habe ich mir eine Ebene geschaffen indem ich die zweite Seitenwandand die Oberkante der Ersten gestellt habe und die beiden mit Schraubzwingen fixiert habe.

… darum habe ich mir eine Ebene geschaffen indem ich die zweite Seitenwandand an die Oberkante der Ersten gestellt habe und die beiden mit Schraubzwingen fixiert habe.

Da ich leider keine Hobelbank besitze in die ich die beiden Bretter hätte einspannen können, klemmte ich mir dieses Konstrukt zwischen die Knie. Mein Rücken und meine Knie fanden’s geil…
Aber das Endresultat war überzeugend. Klar ist das nicht die sauberste und planste Oberfläche, aber da sie sowieso von den Beschlägen verdeckt und direkt an der Wand sein wird, sieht man es am Ende nicht.

Die Aussparungen für die Beschläge sind fertig gefräst. Nicht schön, aber...

Die Aussparungen für die Beschläge sind fertig gefräst. Nicht schön, aber…

... die Beschläge verstecken das größtenteils

… die Beschläge verstecken das größtenteils

Zu dem Zeitpunkt hätte man das Ganze schon zusammenschrauben und an die Wand hängen können, aber das Holz soll ja lange halten. Nach einiger Überlegung entschied ich mich hier für ein Holzschutzmittel welches schon seit Jahrhunderten zum Einsatz kommt: Leinöl. (zeitliche Einordnung: Mitte Mai)

Ich habe die Bretter mit Leinöl geölt. Braucht noch jemand ~0.8 Liter Leinöl? Zum Kochen oder so?

Ich habe die Bretter mit Leinöl geölt. Braucht noch jemand ~0.8 Liter Leinöl? Zum Kochen oder so?

Geölte Bretter

Geölte Bretter

Vergleich ungeölt - geölt

Vergleich ungeölt – geölt

Nachdem die zweite Schicht Öl Anfang Juni einigermaßen eingezogen war, verschraubte und verkabelte ich das Ganze und hängte es an die Wand.

Zusammenschrauben

Zusammenschrauben

Das untere Brett ist etwas tiefer als die Seitenwände. Das ist mir leider durch die Lappen gegangen.

Das untere Brett ist etwas tiefer als die Seitenwände. Das ist mir leider durch die Lappen gegangen.

Testweise eingesetzte Lampen

Testweise eingesetzte Lampen

Eingeschraubter Schalter. Wie man hier schon sieht stehen die an dieser Stelle eher ungeeigneten Senkköpfe etwas heraus...

Eingeschraubter Schalter. Wie man hier schon sieht stehen die an dieser Stelle eher ungeeigneten Senkköpfe etwas heraus…

... was dazu führt, dass die Schalterrahmen an den geschraubten Ecken abstehen :/

… was dazu führt, dass die Schalterrahmen an den geschraubten Ecken abstehen :/

Abzweigdose. Man beachte die ausgefuchste Zugentlastung am Netzkabel.

Abzweigdose. Man beachte die hightech Zugentlastung am Netzkabel.

Fertig verkabelt. (ja, leider etwas unscharf)

Fertig verkabelt. (leider etwas unscharf)

Und Strom!

Und Strom!

Leuchtet!

Leuchtet!

Auch wenn ein paar Kleinigkeiten nicht perfekt geworden sind, bin ich insgesamt recht zufrieden.

Gelernte Lektionen:

  • Wenn man gerade erst anfängt sich einen Grundstock an Werkzeugen und Verbrauchsmaterial zuzulegen, wird es schnell teuer. Kleinvieh wie Schrauben machen hier auch Mist.
  • Nichtsdestotrotz: Schutzausrüstung ist extrem sinnvoll und noch nicht mal teuer. Einen guten Kapselgehörschutz bekommt man schon für etwa 20 €. Im Prinzip tun es auch die im Drogeriemarkt erhältlichen Produkte – wenn man genug Disziplin hat, sie auch für “schnell mal was Sägen” reinzufummeln. Eine Atemschutzmaske und passender Partikelfiltereinsatz sind auch für unter 30 € zu haben. Und die eigene Gesundheit ist unbezahlbar.
  • Pressholzplatten von schwedischen Großkonzernen zusammenzuschrauben mag billiger sein und ist in weniger als vier Monaten zu machen, aber deswegen hat es ja auch jeder in der Wohnung stehen. Das Ding gibt es so nur bei mir 🙂

3 Responses to “Vielleicht doch lieber was mit Holz oder so?”

  1. suhn says:

    Tip Top. 🙂
    Ist ja ein Streberwerk allererster Güte. Mit Schraubloch-Vorbohrungen, Kabelführung und ganz ohne Spax und Klebeband. 😉

  2. fraggy says:

    Na die Schrauben in den vorgebohrten Schraublöchern sind schon von Spax 😀
    Aber ja, mein innerer Perfektionist hat sich mal so richtig ausgetobt.

  3. never ever says:

    Nette Bastelei
    Bistt Du sicher das dein Schalter für Holzeinbau die Zulassung hat ??

    Ein Fest für die Haftpflicht.

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