Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt.

September 22nd, 2015 by fraggy

Die folgende Szene findet in einem Arbeitsamt in Ostdeutschland statt. Sie wurde aus dramaturgischen Gründen etwas zurechtgestutzt und ist natürlich nicht der genaue Wortlaut, hat aber inhaltlich so stattgefunden.

[Vorhang auf]
Sachbearbeiterin: Hallo.
Fraggy: Hallo.

SB: Wie kann ich Ihnen helfen?
F: Ich bin nach Schweden gezogen, da meine Freundin jetzt im September eine Doktorandenstelle in Uppsala, Schweden begonnen hat. Ich bin derzeit noch auf der Suche nach Arbeit in Schweden. Nun weiß ich, dass man das Arbeitslosengeld für 3 Monaten in das EU-Ausland mitnehmen kann, dafür aber zunächst in Deutschland 4 Wochen lang arbeitslos gemeldet sein muss. Darum bin ich jetzt hier.

SB: Tut mir Leid, aber das geht so nicht. Sie wohnen ja schon in Schweden.
F: Das ist richtig, aber ich bin noch hier gemeldet. Als EU-Ausländer bekomme ich erst dann eine schwedische Personnummer, wenn ich einen Arbeitsplatz in Schweden nachweisen kann. Die Personnummer brauche ich, um mich in Schweden melden zu können. Somit wohne ich rechtlich noch hier.

SB: Ja, aber Sie sind nicht vor Ort. Ich muss Sie ja zu Vorstellungsgesprächen und so weiter schicken können. Sie hätten sich bevor sie umgezogen sind arbeitslos melden müssen. Jetzt ist es zu spät, sie bekommen kein Arbeitslosengeld.
F: Okay. Was wäre, wenn ich es einrichten könnte, 4 Wochen lang vor Ort zu sein.

SB: Sie sind IT-Spezialist [Blick auf den Bildschirm. <Klick>] mit Berufserfahrung [<scroll>] und haben studiert. Wir finden für Sie in 4 Wochen problemlos einen Job.
F: Na gut, aber mal ehrlich: wir sind hier in Ostdeutschland, bei den Gehältern die hier gezahlt werden…

SB: Nun, Sie wohnen dann ja nicht in einer Wohngemeinschaft mit ihrer Partnerin, somit kann ich Sie bundesweit vermitteln.
F: … [innere Stimme: fffffffffffffffffffffffuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuu]

[Vorhang zu]

Ich will jetzt gar nicht den Zorn auf die Sachbearbeiterin lenken. Sie war sehr nett und hat mir nur erklärt, wie die Gesetzeslage halt ist. Sie hat die Regeln ja nicht gemacht.
Die Argumentation mit “Sie wohnen ja nicht zu sammen, also kann ich Sie an den Arsch der Welt vermitteln” ist in meinem speziellen Fall natürlich besonders cool, weil der Grund für das Nicht-Zusammenleben erst wegen des Arbeitsamtes entstünde, aber auch ohne meine konkreten Umstände ist das eine Frechheit, dass die Gesetze Arbeit so krass über Familie stellen.
Insofern geht das jetzt an unsere liebe Bundesregierung (Strophe 3), stimmt alle mit ein:

Ja, ich hätte mich vorher informieren müssen und das mit den vier Wochen einplanen müssen. Aber auch dann hätte ich wohl nicht mit meiner Freundin nach Schweden ziehen können, denn dann hätten sie mir halt irgendeinen Drecksjob als Java EE Entwickler für Datenbankanwendungen in Hintermuckelhausen vermittelt und wäre keinen Schritt weiter als ich es jetzt bin. Eher im Gegenteil.

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